Eröffungsfeier Baltengräberprojekt

 17.09.2023
 11:30
  Vareler Friedhof

In den letzten zwei Jahren konnte die Agenda Projektgruppe „Baltengräber“ gemeinsam mit der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel auf dem Vareler Friedhof einen neuen Erinnerungsort schaffen. 

Nach Abschluss aller Arbeiten wird am Sonntag, dem 17.September 2023 um 11:30 Uhr eine Einweihungsfeier dieser Grabanlage stattfinden, die die Agenda Projektgruppe in Zusammenarbeit mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel ausrichtet. Neben Pfarrer Peter Löffel und Bürgermeister Gerd-Christian Wagner wird auch Dr. Sebastian Huhn (Universität Osnabrück) sprechen. Die musikalische Begleitung übernimmt der Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel. Interessierte sind herzlich eingeladen. 

Projekthintergrund 

Der Zustand der sog. Baltengräber war bisher sich selbst überlassen und nicht angemessen angesichts des historischen Hintergrunds. Claudia Kaminski und Werner Lorek haben während einer Friedhofsführung von dieser Grabanlage erfahren und eine Projektgruppe unter dem Dach der Agenda Varel gegründet. Mittlerweile ist eine angemessene Erinnerungsstätte eingerichtet worden und eine Informationsstele informiert nun die Besucher:innen über den historischen Hintergrund. Die einzelnen Verstorbenen konnten dokumentiert werden und die Friedhofsführer:innen binden diese Grabanlage nun noch aktiver in ihre Führungen ein. 2 

Historischer Hintergrund 

Varel war ab 1950 Standort eines Altenheimes für fast tausend sogenannter „Displaced Persons“ (Heimatlose Ausländer). Es handelte sich um ehemalige ausländische Zwangsarbeiter:innen aus dem Zweiten Weltkrieg, Flüchtlinge, die 1944/45 aus den baltischen Staaten aus Furcht vor der Roten Armee ins Reichsgebiet geflohen waren und sonstige Ausländer:innen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren wollten oder konnten. 

Ende 1959 übernahm die Bundeswehr das Gelände und das Altersheim wurde aufgelöst. Die letzten Bewohner:innen wurden auf andere Einrichtungen im Bundesgebiet verteilt. Die in Varel verbliebenen Personen zogen in das in diesem Zusammenhang neu erbaute Altersheim „Simeon und Hanna“ in der Oldenburger Straße 61. 

Über diesen Teil der Geschichte von Varel war bisher wenig bekannt. Einziges Überbleibsel dieser Zeit waren noch 63 Grabsteine auf dem ev. Friedhof in Varel, die zuletzt verwahrlost und undokumentiert ihre Geschichte hüteten. Es handelt sich überwiegend um Grabsteine mit Namen von Bewohner:innen, die aus Lettland stammen, vereinzelt auch aus Litauen, Estland, Polen und dem ehemaligen Jugoslawien. 

Der Regionalhistoriker Holger Frerichs (Heimatverein Varel, Kulturverbund Friesland) nutzte diese Gelegenheit, um die Geschichte in einer Broschur zu dokumentieren. 

Dr. Sebastian Huhn (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Osnabrück) hebt in einem aktuellen Essay hervor, dass in den 1950er Jahren Varel ein Ort war, in dem ca. jeder fünfzehnte ansässige Mensch ein:e DP war. An der Universität Osnabrück wird aktuell in sechs Forschungsprojekten das Flüchtlingsregime während und nach dem Zweiten Weltkrieg erforscht. Vor allem der Blick auf die Migrationsgesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg soll demnächst am Beispiel der Vareler Geschichte durchleuchtet werden. 

Details


 17. September    11:30
 17. September    12:30
kostenlos

Ort


Vareler Friedhof
Oldenburger Straße
26316 Varel

Veranstalter


Agenda Varel

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